Erfassung überbetrieblicher Transporte

In globalen Logistiknetzwerken ist in den seltensten Fällen eine direkte Messung möglich und dann sehr aufwendig. Ein fokales Unternehmen, wie beispielsweise ein Automobilhersteller, ist für die energetische Gesamtdarstellung der globalen Produktionsprozesse auf sekundäre Auskünfte von Logistikdienstleistern angewiesen. Die Transparenz über Vorgänge und Energieverbräuche ist insgesamt niedrig, denn auch Spediteure unterbeauftragen ihrerseits Subdienstleister. Zudem fehlte es bisweilen an Standards, die die Datenqualität und den –umfang definieren.

Im März 2013 wurde die finale Version der DIN EN 16258 veröffentlicht: „Methode zur Berechnung und Deklaration des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen bei Transportdienstleistungen (Güter– und Personenverkehr)“. Damit definiert erstmals ein Standard, wie die Erstellung von Energiebilanzen in Logistiknetzwerken erfolgen sollte, welche Regeln dabei anzuwenden sind und wie Ergebnisse zu deklarieren sind. Insbesondere legt die Norm fest, dass für die Verbrauchsbilanzierung ganze Fahrzeugrundläufe, sogenannte Vehicle Operation Systems, zu verwenden sind. Sie definiert auch die zu verwendenden SI–Umrechnungsfaktoren (z. B. „Liter Diesel“ in „Joule“).

Ein wichtiges Kapitel widmet sich der Allokation zwischen unterschiedlichen Kunden und Sendungen, die sich einen Transport teilen. Die Zuordnung von Energie und Emissionen zu Kunden einer Transportdienstleistung findet über die Transportleistung statt, die in Tonnenkilometern (tkm), also dem Produkt aus Strecke und Gewicht, gemessen wird. Grundsätzlich wird zwischen (Sammel– und Verteil–)Rundtouren („Round–trip“) und Linienverkehren („Linehaul“) unterschieden. Während im Linienverkehr für die Allokation die tatsächlich zurückgelegte Strecke und das dort transportierte Gewicht zu berücksichtigen ist, sieht die Norm für Rundtouren die Verwendung der „kürzesten realisierbaren Distanz“ zwischen dem Ausgangsort (bspw. dem Depot eines Gebietsspediteurs) und den Zwischenstationen vor (s. auch unten stehende Abbildung). Die zu berücksichtigende Tonnage ergibt sich dann aus dem Umschlag (Auf– und Abladungen) an jeder Rundlaufstation.

Zum einen haben sich die Anforderungen der Norm als sehr aufwendig erwiesen, da viele Parameter zu erheben und bei der anschließenden Berechnung viele Besonderheiten zu berücksichtigen sind. Zum anderen umfassen Liefernetzwerke, wie im Anwendungsfall ‘Globale Lieferkette‘ des Forschungsprojekts E²Log betrachtet, eine große Zahl an Akteuren. Daraus ergibt sich eine enorme Komplexität, die eine Umsetzung der Methodik der Norm erfordert, die die Praxistauglichkeit fokussiert und möglicherweise fehlendes Methodenwissen bei den Anwendern (Logistikdienstleistern, Spediteuren, Reedereien, Airlines) kompensiert. Zudem haben die Arbeiten im Anwendungsfall gezeigt, dass viele Transporteure Bedenken haben, über geschäftskritische, aber für die energetische Bewertung erforderliche Daten Auskunft zu geben (z. B. Transportmittelauslastung).

 

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